Das neue Mietfahrradsystem im Praxis-Test
Redakteur Philipp Nieländer testete für Duesseldorf-Magazin.info das neue Mietfahrradsystem. Zwar klappte nicht alles - aber das Fazit ist durchaus positiv.
Es ist Samstagnachmittag. Die Sonne scheint, was in diesem Sommer durchaus eine Seltenheit ist. Eine gute Gelegenheit also, das neue Düsseldorfer Mietfahrradsystem auf die Probe zu stellen. Auf der Homepage www.nextbike.de bekomme ich erste Informationen und registriere mich. Hierfür muss ich eine Telefonnummer, Adressdaten, Mailadresse und meine Kreditkartennummer angeben. Überweisen wäre die Alternative - dann dauert die Freischaltung aber drei Tage, werde ich informiert. Ich muss ein Fahrguthaben von einem Euro anlegen, welches bei der ersten Ausleihe verrechnet wird. Damit kann ich leben, schließlich will ich noch am Nachmittag eine kleine Tour am Rhein machen. Alle darüber hinaus gehenden Beträge werden übrigens erst fällig, wenn man das Rad auch tatsächlich nutzt. Hmmm - mal überlegen - wo starte ich denn am besten? Burgplatz wäre nicht schlecht... Und dort stehen derzeit auch mehr als vier Räder, informiert mich das System.
Eine knappe Stunde später: Mit der Ubahn fahre ich zur Haltestelle Heinrich-Heine-Allee und gehe zum Burgplatz. Dort sehe ich zwar viele Fahrräder - aber das sind doch nicht die Mietbikes. Mist - es werden doch nicht alle Räder ausgeliehen sein. Ich gehe weiter Richtung Rhein und entdecke sie – direkt an der Promenade. Sechs Räder stehen dort. Ich greife zum Handy und wähle die angegebene Berliner Rufnummer – und lande bei einem Sprachcomputer. Ja - ich möchte ein Rad ausleihen und drücke die 1. Nun werde ich aufgefordert, das Nummernkennzeichen über die Tastatur einzugeben. Kein Problem - tue ich. "Das ausgewählte Rad ist bereits entliehen oder defekt", informiert mich die Computerstimme. Hmmm - dann versuche ich es eben mit dem Rad daneben und gebe die Nummer "04529" ein. Jetzt hat die Stimme am anderen Ende der Leitung nichts zu meckern und sagt mir den Zahlencode für das Schloss an, den ich einstelle. Ähhhm - habe ich jetzt was falsch gemacht oder die Nummer falsch verstanden? Jedenfalls tut sich nichts. Das Schloss ist und bleibt zu. In dem Moment kommt eine SMS an, in der noch einmal der Zahlencode steht. Es ist der, mit dem ich es gerade versucht habe. Ich entschließe mich, noch einmal bei der Hotline anzurufen und mich ins Callcenter durchstellen zu lassen. Nach nur kurzer Wartezeit habe ich einen echten Menschen, eine nette Dame, am anderen Ende der Leitung. Sie entschuldigt sich mehrfach und bittet mich, zu einem anderen Fahrrad zu gehen, tippt etwas in ihren Computer ein und nennt mir einen Zahlencode. Dieses Mal funktioniert's – und die Dame wünscht mir viel Spaß.
Ich stelle den Sattel ein und schwinge mich aufs Alurad. Im ersten Moment bin ich etwas irritiert. Der vorne montierte Korb bewegt sich beim Lenken nicht mit, aber daran gewöhne ich mich schnell. Über die Rheinuferpromenade starte ich in Richtung Hamm. Dass das Rad nur drei Gänge hat, ist nicht dramatisch, da es auf dem Weg kaum Steigungen gibt. Für meinen Geschmack könnte etwas mehr Luft im Vorderreifen sein, aber ansonsten fährt sich das Mietrad gut. Über Neuss blitzt es bereits, als ich in Volmerswerth ankomme - dann setzt der große Regen ein. Auch nach einer Apfelschorle und einem Kaffee auf dem dort vor Anker liegenden Restaurantschiff regnet es immer noch in Strömen, so dass ich auf schnellstem Weg zurück Richtung Innenstadt fahre. In Volmerswerth darf ich das Rad nämlich nicht stehen lassen und in den Bus umsteigen, da dieser Stadtteil nicht mehr zum Ausleihbereich gehört. Klatschnass komme ich in der Altstadt an und stelle das Rad ab. Wieder wähle ich die Hotline-Nummer, gebe das Radkennzeichen ein und nenne den Abstellort. Kette zu. Das war's.
Nach einer warmen Dusche schaue ich auf die Homepage von Nextbikes, logge mich ein und stelle fest: Für das Rad, was sich nicht öffnen ließ, wurde mir ein Euro berechnet. Erneut wähle ich die Berliner Service-Nummer und werde nach nicht einmal 20 Sekunden Wartezeit mit der "nächsten freien Ansprechpartnerin" verbunden. Die regelt mein Problem sofort und bucht den Euro zurück. Das werde ich bei der endgültigen Abrechnung im Auge behalten - ein Euro ist schließlich ein Euro. Ansonsten habe ich für fast vier Stunden Fahrrad 3 Euro bezahlt - ein fairer Preis für einen zwar nassen, aber lustigen Nachmittag, wie ich finde.