Es gibt aber zum Glück auch viele Stammgäste, die das Apollo lieben. Macht es Sie eigentlich glücklich, wenn die Menschen gut gelaunt nach Hause fahren?
Kirkness: Glücklich ist das falsche Wort. Ich freue mich für alle, die daran beteiligt waren, dass der Abend ein Erfolg war. Es gibt hunderte Mosaiksteine, die zusammen eine gelungene Vorstellung ergeben und wir sind ein Team von 150 Personen, da ist ein Erfolg nur in geringster Weise mein Verdient. Wenn mich Gäste nach der Show ansprechen, nehme ich das nur stellvertretend für alle Mitarbeiter entgegen – für die Artisten, das Kassenpersonal, den Tellerwäscher und das Putzpersonal, das man nie sieht, aber das morgens ab 5.30 Uhr dafür sorgt, das unser Haus sauber ist. Glück ist für mich, wenn ich ganz privat als Gast in eine Show gehe und einen schönen Abend hatte. An welche Apollo-Momente erinnern Sie sich denn besonders gerne?
Kirkness: Oh – das ist eine genau so schwere Frage wie nach dem liebsten Artisten oder der schönsten Show. Das sind alles private Gefühle. Aber sehr emotional waren die Auftritte von Konrad Thurano, mit dem ich vier Geburtstage feiern durfte, der aber ja mittlerweile leider verstorben ist. Er war ein Artist, der nicht in erster Linie für die Gage gearbeitet hat, sondern für sein Publikum. Ich habe immer bewundert, wie er noch im hohen Alter aufgetreten ist.
Apropos Alter. Es gibt Fernsehen, Kinos, Playstation und natürlich das Internet. Warum braucht man da noch so etwas Altmodisches wie ein Varieté?
Kirkness: In den Medien wird immer wieder der Tenor vermittelt, dass keiner gern vom Sofa aufsteht und die eigenen vier Wände verlässt. Das ist falsch, wenn Alternativen geboten werden. Wie bemühen uns Tag für Tag, so eine Alternative zu sein – und wir sind es auch. Wir bieten zu einem fairen Preis eine gute Leistung an – etwas, wo man sich nicht, wie beispielsweise bei der Oper, stundenlang in die Materie einarbeiten muss. Varieté versteht jeder, der eine findet das gut, der andere das. Wir bieten etwas anderes als Miesmacherei. Dafür hätten wir doch eigentlich den Grammy-Award verdient, oder?
Den gibt es dann ja vielleicht zum 20-jährigen Bestehen im Jahr 2017. Dann gibt es das Apollo doch noch – oder?
Kirkness: Ja klar – aber dann ohne mich.
Was wünschen Sie sich für die Varieté-Zukunft?
Kirkness: Ich würde mir wünschen, dass mehr Varieté im Fernsehen gezeigt wird – kein komplettes Programm, aber einzelne Nummern, vielleicht in Verbindung mit Prominenten. In Großbritannien und Belgien beispielsweise gibt es solche Shows, die den Bekanntheitsgrad des Varietés erhöhen. Jeder kennt den Circus, aber in Deutschland können viele Menschen mit dem Begriff Varieté gar nichts anfangen.
Ist Ihr Beruf eigentlich mit dem eines Circusdirektors vergleichbar, Herr Kirkness?
Kirkness: Nein, eigentlich nicht. Ein Circusdirektor, wie beispielsweise Bernhard Paul, hat 1000 Aufgaben, die ich nicht habe. Ich muss nicht planen, wo ich nächsten Monat spiele, muss nicht in Erfahrung bringen, was der Platz kostet. Dafür muss ich es schaffen, die Leute immer wieder in unser Haus zu bekommen – nicht nur die Düsseldorfer, sondern auch die Menschen aus den Nachbarstädten. Aber weil Varieté ein Nischenprodukt ist, ist die Vermarktung auch nicht so einfach.
Was sind denn die wichtigsten Eigenschaften, die ein Theaterleiter haben muss?
Kirkness: Man muss vor allem verständnisvoll sein. Dann ist noch wichtig, dass man im Kopf eine klare Linie hat und es schafft, diese zu vermitteln. Und dann muss man 150 Mitarbeiter so motivieren, dass sie sehen, dass es nur in eine Richtung geht.
Das Interview für Duesseldorf-Magazin.info führte Philipp Nieländer